Wie wir uns ausdrücken hat einen großen Einfluss auf unseren Gefühlszustand. Mit der Wahl der richtigen Adjektive, Ausdrücke und Wendungen können wir unsere Emotionen schlagartig verändern und unsere Kommunikation drastisch verbessern. Die Art, wie wir mit uns selbst und anderen sprechen entscheidet darüber, wie wir denken. Und unsere Art zu denken bestimmt wiederum unsere Gefühle und unser Verhalten.

Die meisten Menschen sind sich gar nicht bewusst darüber, welche Worte sie täglich im Gespräch mit anderen und auch sich selbst benutzen.

“Wer die macht der Wörter nicht kennt, kann auch die Menschen nicht kennen.” – Konfuzius

Stell dir vor, jemand sagt zu dir: „Ich bin anderer Meinung als du.“ Oder er sagt in der gleichen Situation: „Du irrst dich.“ Oder aber er sagt dir: „Du lügst!“ Wie fühlen sich die jeweiligen Aussagen an? Die erste kannst du vermutlich ohne weiteres akzeptieren, die zweite ruft eine etwas stärkere emotionale Reaktion in dir hervor und die dritte wird wahrscheinlich am stärksten auf dich wirken. Letztendlich haben aber alle drei Aussagen den gleichen Sachverhalt zu Grunde liegen.

Welches Vokabular verwendest du vorwiegend? Beobachte dich in den nächsten Tagen diesbezüglich und achte darauf, ob du dich überwiegend positiv oder negativ äußerst. Mach dir mal bewusst, wie viele Adjektive du benutzt, um deine Stimmung zu beschreiben. Wahrscheinlich antwortest du auf die Frage wie es dir geht immer das gleiche. Wie wäre es mal mit einer neuen Antwort? Überrasche dich selbst und deine Umwelt doch mal mit einem „Mir geht es fantastisch/großartig/hervorragend“ statt dem üblichen „gut“. Es lohnt sich auch, wenn du Listen mit positiven Adjektiven anlegst. Hierfür kannst du ein Wörterbuch wälzen und dir Inspiration holen. Mach eine Liste mit 12 positiven Adjektiven, die du ab jetzt in deinen Standardwortschatz integrieren möchtest. Anschließend mach eine weitere Liste mit alternativen Adjektiven, mit denen du in Zukunft deine meistgebrauchten negativen Adjektive ersetzen möchtest. Statt „Mir geht’s beschissen“ könntest du in Zukunft vielleicht sagen „Ich muss auftanken“ oder „Ich bin alles andere als überwältigt“. Statt „wütend“ könntest du in Zukunft „ernüchtert“ oder „irritiert“ sein. Eine Situation ist nicht mehr „katastrophal“ sondern „etwas unerfreulich“. Sei konsequent und entdecke, wie sich deine Selbstwahrnehmung und deine Kommunikation mit deiner Umwelt zum Besseren ändert, allein durch die bewusste Wahl positiver Ausdrücke.

Die Wahl anderer Wörter beeinflusst unmittelbar den Verlauf der Kommunikation mit deinem Partner. Ihr könnt euch gemeinsam auf einige neue Wörter einigen, die ihr in Zukunft gebrauchen wollt um alte, negative zu ersetzen. Das kann sehr viel Spaß machen. Mein Mann und ich, beide recht temperamentvoll, tendierten sehr zu starken Ausdrücken wie „Scheiße, beschissen, wütend, etc.“ Der Gebrauch dieser Wörter setzte in unserer Kommunikation jedoch regelmäßig eine Abwärtsspirale in Gang und förderte Streit und schlechte Stimmung. Als ich dann beschloss, konsequent schlechtes Vokabular zu ersetzen (was auch unserem Sohn zugute kam, der gerade in der Phase war, in der er alles ungefiltert nachplapperte), kicherten wir anfangs regelmäßig wenn ich statt „Ich bin sehr wütend“ oder „das finde ich Scheiße“ einfach nur sagte „ich finde das doch etwas unerfreulich“. Dadurch, dass uns dieser Ausdruck zum Lachen brachte, war sofort die Spannung aus der Situation genommen und die Unterhaltung bekam eine positive Wende.

Hier sei auch darauf hingewiesen, wie riskant Drohungen à la “Ich verlasse dich!” oder “Ich will die Scheidung!” sind. Damit destabilisierst du deine Partnerschaft und gibst der Möglichkeit Raum, dass es tatsächlich zu einer Trennung kommt. Statt solch starker Worte könntest du einfach “Ich bin sauer” oder “Ich fühle mich gerade frustriert” sagen. Diese Ausdrücke bieten eher die Möglichkeit, Konflikte zu beseitigen.

Wenn wir nicht nur die Qualität unserer Kommunikation sondern praktisch unser gesamtes Leben verändern wollen, müssen wir unsere Wörter bewusst und sorgfältig wählen und ständig danach trachten, unsere Möglichkeiten zu erweitern.

Mit welchen Wörtern möchtest du ab jetzt deinen täglichen Wortschatz erweitern?