“Man kann nicht nicht kommunizieren.” So lautet ein berühmter Grundsatz der Kommunikationstheorie. Wir kommunizieren nicht nur, wenn wir etwas sagen. Wir kommunizieren genauso wenn wir schweigen, wenn wir andere Menschen (etwa in einem öffentlichen Raum) ignorieren. Wir kommunizieren aber auch mit unserem Körper, mit unserer Haltung, unseren Blicken, Gesten, der Art wie wir ein- und ausatmen. Je besser wir die verschiedenen Arten der Kommunikation verstehen, umso besser können wir unsere Mitmenschen verstehen und dementsprechend auf sie und ihre Bedürfnisse eingehen. Gerade in unseren Beziehungen lohnt es sich, genauer hinzuschauen, was uns unsere Partner jenseits ihrer Worte mitteilen. Denn nicht selten sagt die Körpersprache das genaue Gegenteil des Wortlauts und was der Sprecher eigentlich meint, teilt er uns unbewusst über seine Körperhaltung mit – und nicht über sein gesprochenes Wort. Dies kann schwerwiegende Konsequenzen für den Verlauf von Streitgesprächen haben. Es kann dazu führen, dass wir falsche Entscheidungen treffen und die Fronten weiter verhärten. Deshalb gibt es heute einen Crashkurs in nonverbaler Kommunikation.

Wie unser erster Eindruck von jemandem entsteht

Was uns zuerst an einem Menschen auffällt, ist sein Aussehen, seine Erscheinung, sein (Kleidungs-)Stil und seine Art. Wir nehmen wahr, wie er sich verhält, welche Sprache er benutzt, ob er Dialekt oder Hochdeutsch spricht, einfache oder komplexe Wörter und Satzstrukturen verwendet. Wir registrieren, welche Gesten er benutzt, ob diese fahrig oder sorgfältig gewählt sind, ob er Souveränität oder Unsicherheit ausstrahlt. Das alles hilft uns, diesen Menschen einzuordnen. Mit wem haben wir es hier zu tun und wie verhalten wir uns ihm gegenüber am besten?

Viele andere Dinge geben uns Anhaltspunkte über unsere Gesprächspartner, wie etwa:

  • die Bücher die sie lesen
  • die Programme die sie ansehen oder ob sie überhaupt einen Fernseher besitzen
  • die Zeitschriften die sie abonnieren
  • die Internetseiten die sie besuchen
  • die Vereine denen sie angehören

Unsere Besitztümer, oder die Dinge, die wir gerne besitzen würden, sind ebenfalls selbsterklärend. Unser Haus, unser Auto, unsere technischen Geräte, Möbel, unser Geschmack in allem.

Wenn wir einen Menschen etwas besser kennen, gibt es andere Hinweise darauf, was für ein Mensch er ist, etwa:

  • Vergisst er gerne Termine, die für den anderen wichtig sind?
  • Erscheint er öfters nicht zu einem Date, Termin oder Anlass, zu dem er erwartet wurde?
  • Ignoriert er bestimmte Menschen?
  • Benutzt er Menschen?
  • Hilft er jemandem nicht, obwohl er dazu in der Lage ist?
  • Versteckt er die Zeichen seines eigenen Rangs  oder stellt er sie zur Schau wenn er mit jemandem spricht, der einen niedrigeren oder höheren Rang innehat?
  • Macht er sich schick  oder kleidet er sich betont leger für einen Anlass – um dazuzugehören, zu beeindrucken, herauszustechen oder seine Geringschätzung zu bekunden?

 

Wie wir das Beste aus unserer Körpersprache herausholen können

Mit jemandem zu kommunizieren, der uns nahesteht, impliziert nicht nur reden und zuhören. Wir kommunizieren die Liebe zu unserem Partner auch nonverbal mit unserem Körper durch:

  • Augenkontakt herstellen und halten
  • Händchenhalten
  • Lächeln, Lachen
  • Zwinkern
  • Berühren, Streicheln, Kuscheln, Umarmen
  • Küssen
  • Sex

Die Gefahren bei der Interpretation nonverbaler Kommunikation

Besonders die Körpersprache eines Menschen kann uns zusätzliche Informationen über seine Gedanken und Gefühle geben. Sie kann uns Unstimmigkeiten zwischen dem Gesagten und dem tatsächlich Gedachten aufzeigen. Einfaches Beispiel: Jemand sagt “Ja” und schüttelt dabei seinen Kopf.

Gefühle, die nicht verbal ausgedrückt werden, können in den Körperbewegungen des Anderen gelesen werden, oft, ohne dass sich dieser dessen bewusst ist.

Wir können das, was wir beobachten, als Wegweiser benutzen und uns eine Notiz im Geiste machen. Wir können später darauf zurückkommen. Dies sollte allerdings vorsichtig erfolgen! Es ist kontraproduktiv, die Barrieren unseres Gegenübers niederzutrampeln.

Ferner ist es ratsam darauf zu verzichten, Annahmen anzustellen – wir könnten auch einfach falsch liegen! Können wir uns wirklich sicher sein, dass die nonverbalen Signale, die wir beobachtet haben, nicht mit etwas anderem als mit dem gerade besprochenen Thema zusammenhängen?

Am besten fragen wir uns zuerst selbst, welcher andere Gedankengang, welches Gefühl oder welcher Impuls dieses nonverbale Signal ausgelöst haben könnte. Auch sollten wir sicherstellen, dass wir nicht etwas sehen, das wir uns nur wünschen oder sehen möchten.

Die Bedeutung nonverbaler Kommunikation

Wenn wir nonverbale Kommunikation interpretieren, hilft es nicht, mathematisch vorzugehen. Also: verschränkte Arme und Beine bedeuten etwa nicht automatisch Ablehnung. Wir müssen bei unserer Interpretation alle Aspekte der anderen Person und der Situation mit berücksichtigen.

Unser Körper ist permanent in Bewegung. Er verändert sich von Augenblick zu Augenblick, je nachdem was wir denken und was wir laut sagen (möchten). Unser Körper ist selten statisch. Wirklich alle Nuancen und Typen nonverbaler Kommunikation zu erkennen, braucht Zeit und Übung. Wenn du es dir zur Aufgabe machst, darin besser zu werden oder vielleicht sogar Meisterschaft darin zu erlangen, dann fange damit an, deine Gesprächspartner genau zu beobachten. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass du immer mehr Details wahrnimmst, während du vom Stadium bewusster Inkompetenz zur unbewussten Kompetenz voranschreitest.

Unsere Erwartungshaltung in der nonverbalen Kommunikation

Kannst du dir wirklich sicher sein, dass du das, was du im Außen wahrnimmst richtig mit dem kombinierst, was im Inneren eines Menschen vorgeht?

Bedenke, dass du höchstwahrscheinlich eine Erwartung hast. Du könntest auf ein gewisses Zeichen hoffen, wie etwa ein Anzeichen von Liebe. Du könntest wachsam sein und auf potenzielle Anzeichen von Gefahr vorbereitet sein, etwa wenn du dich in einer gefährlichen Umgebung befindest.

Eine Erwartung zu haben, kann dazu führen, dass du:

  • mit einer Enttäuschung rechnest
  • eine Überraschung erlebst
  • dein Bewusstsein schärfst und dich schützt
  • andere Zeichen herausfilterst
  • das in deiner eigenen Körpersprache ausstrahlst
  • diese Erwartung von der anderen Person bestätigt bekommst
  • falsch interpretiert wirst

Statt ein Risiko durch voreilige Schlussfolgerungen einzugehen, ist es stets besser, dir wirklich die Zeit zu nehmen, jemanden kennenzulernen und nach weiteren Zeichen Ausschau zu halten, die deine Erwartungen bestätigen.