Wir alle haben gewisse Vorstellungen davon, wie Menschen und Dinge sein sollten. Unsere Erwartungen resultieren oft aus den Regeln, die wir im Laufe unseres Lebens aufgrund gewisser Erlebnisse und Beobachtungen aufstellen. Ein Beispiel: in deiner Kindheit hast du immer wieder von deinen Eltern gehört, dass du nicht gut genug seist. Im Zeugnis hat sich eine Zwei eingeschlichen? Was für eine Enttäuschung! Das Nachbarskind konnte besser Geige spielen? Asche auf dein Haupt. Diese Erfahrungen führten nun dazu, dass du die Regel aufgestellt hast: um geliebt zu werden, muss ich hart arbeiten.

Oder du hast in deiner Kindheit immer wieder Paare um dich herum heftig streiten sehen, deine Großeltern, deine Eltern, Tante und Onkel, die Nachbarn. Vielleicht hast du auch mitbekommen, wie sie sich in der Abwesenheit ihrer Partner über diese beklagt haben. „Mein Mann versteht mich einfach nicht.“, „Die Ehe ist ein fürchterliches Joch.“, „Männer tun immer was sie wollen und scheren sich einen Dreck um ihre Familie.“

Natürlich kannst du auch positive Erwartungen haben. Etwa, dass ein Mann, der dich wirklich liebt, dich auf Händen tragen und dir jeden Wunsch von den Augen ablesen muss. Wie das konkret aussieht, hast du vielleicht in Filmen gelernt: der Prinz kommt auf dem weißen Ross angeritten, der moderne Prinz scheut keine Mühen und kommt im schicken Sportwagen, kniet nieder und macht eine herzerweichende Liebeserklärung mit romantischen Geigenklängen im Hintergrund. Ein realer Mann der das nicht tut, kann es also keinesfalls wirklich ernst mit dir meinen.

Die Realität ist meist recht weit entfernt vom Hollywood Kitsch.

Erwartungen sind ziemlich problematisch. Denn die Wahrscheinlichkeit enttäuscht zu werden, beträgt genau 50%. Es kann sein, dass andere Menschen genau das tun und sich so verhalten wie du es dir wünschst oder es befürchtest – oder eben nicht. Du selbst hast keinerlei Einfluss darauf, was andere tun und lassen.

Schau dir deine Erwartungen mal genauer an. Mach dir eine Liste mit allen Dingen, die du so von deinem Partner erwartest und sei dabei gnadenlos ehrlich mit dir selbst. Du musst diese Liste ja niemandem zeigen. Und dann frage dich, welche Erwartungen du guten Gewissens loslassen kannst. Natürlich musst du nicht alle und auch nicht alle sofort verabschieden, aber desto mehr du dich von diesem Ballast befreist, umso unbeschwerter wirst du und desto spontaner kannst du auch das Positive in deiner Beziehung annehmen.

Etwas anders als mit Erwartungen verhält es sich mit den Herzenswünschen. Ist es dein absoluter Wunsch, eine Familie zu gründen? Weißt du genau, dass eine Fernbeziehung dich niemals glücklich machen würde? Dein Freund will aber keine Familie und lieber in Berlin wohnen bleiben, auch wenn du ihn gerne bei dir in München hättest? In solch einem Fall kannst du ihm zum Beispiel noch eine Bedenkzeit einräumen, aber du solltest nicht auf deine innigsten Wünsche verzichten, nur um mit diesem Mann zusammenzubleiben. Hier ist es tatsächlich besser, dich frühzeitig und im Guten zu trennen, statt langfristig Groll und Wut aufzubauen weil du zwar mit ihm zusammen bleibst, aber an seiner Seite nicht das bekommst, was du dir eigentlich sehnlichst wünschst und ihm dies heimlich oder offen vorwirfst und damit langsam deine Beziehung vergiftest. Ändert sich auch nach einer angemessenen Frist nichts an den Wünschen deines Partners oder an deinen eigenen, so gibt es noch genug andere charmante Männer da draußen, deren Wünsche eher mit deinen kompatibel sind.

Welche überflüssigen Erwartungen kannst du heute noch los lassen?