Mit einem Partner, der seine Wutausbrüche nicht kontrollieren kann richtig umzugehen, kann sehr herausfordernd sein.

Eine Möglichkeit ist natürlich, dich der Situation zu entziehen. Wenn dein Partner beginnt, dich unkontrolliert anzuschreien, zu beleidigen und dir für alles die Schuld zu geben, bist du nicht gezwungen, dir das anzuhören. Du könntest also einfach den Schauplatz verlassen und ihn sich austoben lassen. Nur – wütende Menschen schreien verzweifelt nach Aufmerksamkeit. Sie brauchen es, gehört zu werden. Wenn du es also irgendwie mit dir vereinbaren kannst, anwesend zu bleiben, solltest du das tun.

Es stellt sich bei einem rasenden und vor Wut schäumenden Partner generell die Frage, ob und warum du diese Beziehung weiterführen möchtest. Vielleicht ist dein Partner dazu bereit, eine Therapie zu beginnen, wenn er seine Gefühle anderweitig nicht unter Kontrolle bekommt.

Was passiert wenn du die Szene verlässt? Dein Partner bekommt das Gefühl, dass du ihn nicht ernst nimmst oder dass du nicht dazu bereit bist, ihn anzuhören. Das kann für ihn sehr schmerzhaft sein. Mach dir bewusst, dass schreiende Menschen ein sehr fragiles Ego haben. Wenn du also gehst, kann es sein, dass er dir folgt, einfach um weiter zu toben und dabei gehört zu werden. Im schlimmsten Fall kann die Situation derart ausarten, dass es zu Handgreiflichkeiten kommt.

Selbstverständlich solltest du dir seine Worte nicht zu Herzen nehmen. Bedenke, dass Menschen, die völlig aus der Fassung geraten, sehr wahrscheinlich die schlimmsten Ausdrücke, Beleidigungen und Vorwürfe benutzen, um dich zu verletzen. Sie befinden sich in dem Moment auf einer viel früheren Altersstufe und sprechen mit kindlichen Verallgemeinerungen. “Du machst immer ….” oder “Nie machst du …”

Wie verhältst du dich also am besten in solch einer Situation?

  1. Atme tief durch und beruhige dich

Atme mehrmals tief durch und sprich beruhigend zu dir selbst, etwa “ganz ruhig” oder “Diese Situation ist angsteinflößend, aber ich weiß damit umzugehen”. Wende dich körperlich etwas von deinem Partner ab, so dass du seinen Angriffen nicht frontal ausgesetzt bist, aber kehre ihm auch nicht den Rücken zu. Ein seitlicher Winkel ist optimal.

2. Die Wut deines Partners hat etwas mit ihm zu tun, nicht mit dir

Sei dir bewusst, dass die Wut deines Partners nichts mit dir zu tun hat. Sie sagt viel mehr über die Schwere seiner ungelösten Probleme aus als über dich. Du kannst davon ausgehen, dass er so wütend geworden ist, weil ihn etwas – unbewusst – an eine vergangene Situation erinnert hat. Diese kann schon sehr lange zurückliegen, etwa in seiner Kindheit. Aber damals war er zu eingeschüchtert, um sich dieser Situation zu stellen. Daher waren diese Gefühle jahrzehntelang in ihm eingeschlossen und er konnte ihnen nicht freien Lauf lassen. Nun kommen sie aber mit voller Wucht an die Oberfläche. Denn jetzt fühlt er sich überhaupt nicht mehr eingeschüchtert.

3. Betrachte die Wut deines Partners als vorübergehenden Wahnsinn

Wütende Menschen sagen allerlei Dinge, die sie nicht meinen und wie wir schon gesehen haben, tendieren sie dazu, zu übertreiben und dir, wenn sie ihre Wut an dir auslassen, die Schuld für alles Übel der Welt zu geben. Sie haben in dem Moment jeglichen Bezug zur Realität verloren. Daher hilft es, wenn du deinen tobenden Partner nicht für voll nimmst.

4. Die Ursache für die Wut deines Partners bist nicht du

Wie oben erwähnt, kommen bei einem erwachsenen Menschen, der in Rage gerät, angestaute Gefühle aus einer sehr viel früheren Zeit, etwa seiner Kindheit, hoch. Sei dir daher jederzeit im Klaren darüber, dass du nicht die Ursache für seinen Gefühlsausbruch bist. Es ist aber auch nicht ratsam, deinen wütenden Partner darauf hinzuweisen, dass sein Ausbruch unverhältnismäßig, übertrieben oder lächerlich ist. Denn für ihn fühlt es sich in dem Moment absolut richtig und berechtigt an. Diese Wut ist ein verzweifelter Versuch des Selbstschutzes und soll weit schmerzhaftere Gefühle abwehren, die sich den Weg zur Oberfläche bahnen wollen. Diese können sein: Hilflosigkeit, Scham oder die Angst, zurückgewiesen zu werden oder nicht liebenswert zu sein. Wenn du deinen Partner also in diesem Zustand für sein Verhalten kritisierst, provozierst du womöglich noch mehr Wut.

5. Erwarte nicht, von deinem Partner gehört zu werden

Vor Wut rasende Menschen können nicht mehr hören, was du sagst. Sie schreien einfach und in diesem Zustand ist es schlicht unmöglich für sie, aufmerksam zuzuhören. Es ist also reine Energieverschwendung, dich jetzt zu verteidigen, rechtfertigen oder zu erklären. In seinem aufgebrachten Zustand wird dein Partner nur verstehen, dass du die Berechtigung seiner Beschwerden und Gefühle leugnest.

6. Warte, bis dein Partner sich beruhigt

Erlaube deinem Partner, seine Wut gänzlich auszudrücken, ohne ihr Widerstand entgegenzusetzen. Wenn die Wut dann verraucht ist, kann er wieder zu seinem vernünftigeren erwachsenen Selbst zurückfinden. Erst dann, wenn er wieder in einem ruhigen Zustand ist, kannst du mit ihm reden. Wenn er das Gefühl hat, gehört und verstanden worden zu sein, ist er wieder in der Lage, dir zuzuhören.

7. Finde heraus, was ihn so aufgebracht hat

Hierfür ist etwas diplomatisches Geschick vonnöten, denn du musst deine Fragen so stellen, dass er nicht erneut wütend wird. Wenn er sich ins Verhör genommen fühlt, wird sein Zorn wieder aufsteigen. Wenn es dir aber gelingt, genau herauszufinden, wo diese Wut herkam und ihm dies auf eine mitfühlende, nicht bedrohliche Art und Weise vermitteln kannst, gibt es eine Chance, dass er dir ebenfalls zuhören wird um deinen Standpunkt in der Angelegenheit zu verstehen. Es ist ein Grundbedürfnis von uns Menschen, uns verstanden zu fühlen. Wenn es dir also gelingt, deinem wutgeplagten Partner das Gefühl zu vermitteln, akzeptiert, gehört und verstanden zu sein, gibt es eine gute Wahrscheinlichkeit, dass sein irrationales Verhalten ein Ende findet.

8. Alternativen wenn alles nichts nützt

Kommt es trotz all deiner Geduld und all deinem Verständnis immer wieder zu intensiven Wutausbrüchen deines Partners, dann ist es an der Zeit, dass er sich professionelle Hilfe sucht um seine Emotionen in den Griff zu bekommen. Du selbst bist übrigens auch nicht in der Pflicht, dieses Verhalten endlos hinzunehmen. Überlege dir in solch einem Fall, ob eine Trennung für dich in Frage kommt.